Ein digitales Denkmal

Für einen der ältesten deutschen Namen

Das Eigenleben eines Vornamens

Als ich 10 wurde fragte ich meinen Vater, warum ich Bodo heiße. Er erzählte mir die Geschichte vom "Ritter Bodo", einer Figur aus den 50er-Jahre Comic "Sigurd". Ich war sehr bewegt, denn er sagte, dass Bodo sein Held gewesen sei. Meine Mutter hatte aber eine andere Antwort. "Ein netter Bekannter der Familie" hätte so gehießen.

Dann kam 1985 und Mike Krüger trällerte "Bodo mit dem Bagger" im Radio rauf und runter (Hallo Mike, du kriegst bald Post von mir). Ich bekam den Song sehr häufig zu hören, weil die Leute immer gleich sangen, wenn ich mich vorstellte. Ich sang mit, bis die Leute keine Lust mehr hatten. Davor war ich einfach nur "Bodo Ballermann" (Udo Lindenberg), und das wurde mir auf dem Fußballplatz zugerufen, bis "Nummer 5 lebt" kam (wegen der Rückennummer). Später als ich einen Studentenjob hatte, der Marktumfragen auf der Straße beinhaltete, war ich wieder der "Baggerer", derjenige, der die Leute in die Büros lockt ".

Der Name (und Vornamen im Allgemeinen) schien irgendwas bei den Menschen auszulösen und ich fragte mich schon früh woher der Name kommt und ob es noch mehr Geschichten gibt. Wieviel kann mit einem einzigen Wort zusammenhängen? Wieviel kann man herausfinden?


Eine entscheidende Begegnung, 1994

Über die Entstehung des Projektes

"In Norwegen gibt es eine Stadt, die Bodo heißt" erzählte mir ein Freund vor 20 Jahren. Das machte mich neugierig und ich fuhr hin.
Natürlich hatte sich mein Freund versehen, denn die Stadt hieß "Bodø".


Bei der Tourist-Info Bodø's verlangte ich den Zusammenhang zwischen den Namen der Stadt und meinem Vornamen zu erfahren. Doch statt mir eine Antwort auf meine Frage zu geben wurde die Tageszeitung für ein Interview bestellt. Ich war wohl der erste in der Stadt.

"Nein, mein Perso ist nicht gefälscht!". Das Interview verlief falsch herum. Ich wurde an das historische Museum verwiesen. Dort erzählte mir die Bibliothekarin: "Bedeutung von Bodo: Herr der Wiesen und" – sie hob die Augenbrauen – "ein Volk in Indien!",  ich denke, da sollten sie mal hinfahren!".

 
"Indien?", dachte ich. Gegen meinen angeblich so freien Willen baute sich in meiner Fantasie eine Welt auf, die es neu zu entdecken gab: "Planet Bodo". Ohne darauf zu achten, dass eine betagte Bibliothekarin vor mir saß, rutschte mir energisch "sofort aufhören damit!" raus.

Die Bibliothekarin staunte: "Ich glaube, sie brauchen Ablenkung. Heute spielt der FK Bodø, da können sie sich selber zujubeln", und kicherte als hätte sie noch nie so eine seltsame Begebenheit gehört.